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Unsere Öffnungzeiten

 

Mo + Di 15–18 Uhr
Do + Fr 9–13 Uhr  &  15–18 Uhr
Mi + Sa 9–13 Uhr

 

Die ganze Welt in einem Laden – im Weltlädeli mit erweiterten Öffnungszeiten

Die ganze Welt in einem Laden – im Weltlädeli mit erweiterten Öffnungszeiten

Der Faire Handel überzeugt mit einer breiten Auswahl hochwertiger und exklusiver Produkte: mit leckeren Lebensmitteln über reizvolle Handwerksprodukte bis zu tollen Accessoires. Nach der Osterschließung ist das Weltlädeli wieder geöffnet –
 – für Genießer*innen
 – für Köch*innen
 – für Gesundheitsbewusste
 – für Modebewusste
 – für Naschkatzen
 – für Menschen mit Stil
 – für praktisch Denkende
 – für jeden ist etwas dabei
Öffnungszeiten Weltlädeli:
Mo. + Di. + Fr. 15.00 – 18.00 Uhr
Mi. + Sa. 9.00 – 13.00 Uhr
Do. 9.00 – 13.00 Uhr und 15.00 – 18.00 Uhr
und jetzt auch zusätzlich: Fr. 9.00 – 13.00 Uhr

Der Weltladen Dachverband stellt die große Produktvielfalt vor

Für wirklich jeden ist etwas dabei

Für Genießer*innen

Genießer*innen kommen bei Kaffee- und Teespezialitäten, edlen Schokoladen sowie schmackhaften Getränken wie Wein und Spirituosen voll auf ihren Geschmack.

Für Köch*innen

Köch*innen finden eine breite Auswahl an Gewürzen, vielfältigen Saucen, Reis und Hülsenfrüchten für die tägliche Freude in der Küche.

Für Gesundheitsbewusste

Die Auswahl für Gesundheitsbewusste ist groß. 70 % der Lebensmittel sind biologisch erzeugt und enthalten keine gentechnisch veränderten Zutaten, die Herstellungsverfahren sind transparent und die Verarbeitung möglichst schonend durchgeführt. Auch eine Auswahl an hochwertigen Wellnessprodukten finden Sie im Weltladen.

Für Modebewusste

Modebewusste finden in einem wachsenden Textilsortiment immer etwas besonderes. Mode, die chic, modern und ökologisch ist. Abgerundet wird das Outfit durch schöne Lederartikel und Accessoires wie z.B. in Handarbeit gefertigten Schmuck.

Für Naschkatzen

Auch Naschkatzen können aus einem vollen Sortiment wählen. Eine breite Auswahl feiner Schokoladen, leckerer Fruchtgummis, köstlicher Trockenfrüchte und anderer Knabbereien wartet auf Sie.

Für Menschen mit Stil

Menschen mit Stil finden mit Sicherheit das gewisse Etwas in einem großen Sortiment an Kunsthandwerksprodukten – seien es schicke Vasen und kunstvoll gestaltetes Geschirr oder kreative Recyclingprodukte aus fernen Ländern.

Für praktisch Denkende

Schicke Geldbeutel, trendige Rucksäcke für den täglichen Weg in die Schule oder ins Büro oder den kleinen Pausensnack für zwischendurch – Weltläden bieten viele praktische Dinge für den täglichen Bedarf.


Frösche spenden Fasnachtsbudget

Frösche spenden Fasnachtsbudget

Badische Zeitung, 02.03.2021

Von Brigitte Chymo, Badische Zeitung, Murg, Dienstag, 02. März 2021

1529 Euro kommen mit ungewöhnlicher Aktion für ein Kinderheim in Peru zusammen.

Ein Spendenaufruf des Fröscheloch Echos brachte 1529 Euro für das Kinderheim Tablada in Peru. Daniel Ehrler, Vorsitzender des Fröscheloch Echos übergab Roland Lauber den Spendenscheck.

Ein Spendenaufruf des Fröscheloch Echos brachte 1529 Euro für das Kinderheim Tablada in Peru. Daniel Ehrler, Vorsitzender desFröscheloch Echos (links), bei der Spendenübergabe an Roland Lauber Foto: Brigitte Chymo, Badische Zeitung

Für einen Verein, der sozusagen von der Fasnacht lebt, ist die coronabedingte Absage in diesem Jahr natürlich ein besonders herber Schlag. Das Fröscheloch Echo schaffte es trotzdem, die aktuelle Situation ins Positive zu kehren. Unter dem Motto „Dumm ischt, wer it spende duet“ riefen die Gugger aus Niederhof zu einer Spendenaktion für das peruanische Kinderheim Tablada in Lima auf, das seit vielen Jahren vom Verein Faire Eine Welt in Murg unterstützt wird.

Ausgehend von der Idee, dass es ohne Fasnacht auch kein Fasnachtsbudget für diverse Getränke braucht, war die Idee, dass, wer immer mag, ein Teil dieses Budgets spendet. Per Facebook suchten die Frösche Gleichgesinnte, bis Aschermittwoch kamen 1528,96 Euro zusammen.
Daniel Ehrler, Vorsitzender des Fröscheloch Echos, überreichte einen symbolischen Spendenscheck an Roland Lauber, der das Kinderheim Tablada im Jahr 1985 mitbegründet hatte. Das Kinderheim betreut tagsüber Jugendliche zwischen drei und 15 Jahren, die aus Familien kommen, deren Mütter meist von ihren Männern verlassen wurden. So müssen die Mütter tagsüber arbeiten, während die Kinder sich selbst überlassen sind. Im Kinderheim werden diese Kinder in die Schule geschickt, erhalten eine gesunde Ernährung, und es werden ihnen zusätzlich handwerkliche Grundkenntnisse in der Bäckerei, Küche und Schreinerei vermittelt. Aber auch in Peru diktiert Corona derzeit den Alltag. Peru gehört mit zu den am schlimmsten von der Coronaepidemie betroffenen Ländern, und wie Roland Lauber erzählt, sind die Schulen bereits seit März 2020 geschlossen. Das trifft die Kinder und Jugendlichen des Kinderheims Tablada ganz besonders. Es gäbe zwar Homeschooling, aber das sei nicht mit dem Homeschooling hierzulande zu vergleichen. „Die Hilfe beschränkt sich im Moment darauf, dass wir versuchen, die Familien wenigstens mit Lebensmitteln zu unterstützen“, erzählt Lauber. Alle hofften auf eine Lockerung, damit die Kinder und Jugendlichen wenigstens wieder stundenweise betreut werden könnten.Murg (chy) Für einen Verein, der sozusagen von der Fasnacht lebt, ist die coronabdingte Absage in diesem Jahr natürlich ein besonders herber Schlag. Das Fröscheloch Echo schaffte es trotzdem, die aktuelle Situation ins Positive zu kehren. Unter dem Motto „Dumm ischt wer it SPENDE duet“ riefen die Gugger aus Niederhof zu einer Spendenaktion für das peruanische Kinderheim Tablada in Lima auf, das seit vielen Jahren vom Verein Faire Eine Welt in Murg unterstützt wird. Ausgehend von dem Gedanken, dass es ohne Fasnacht auch kein Fasnachtsbudget für diverse Getränke braucht, war die Idee, dass wer immer mag, ein Teil dieses Budgets spendet. Per Facebook suchten die Frösche Gleichgesinnte, und bis Aschermittwoch kamen dann exakt 1528,96 Euro zusammen. Gestern (Freitag) überreichte Daniel Ehrler, Vorsitzender des Fröscheloch Echos einen symbolischen Spendenscheck an Roland Lauber, der das Kinderheim Tablada im Jahr 1985 mitbegründet hatte. Das Kinderheim betreut tagsüber Jugendliche zwischen drei und 15 Jahren, die aus Familien kommen, deren Mütter meist von ihren Männern verlassen worden. So müssen die Mütter tagsüber arbeiten, während die Kinder sich selbst überlassen sind. Im Kinderheim werden diese Kinder in die Schule geschickt, erhalten eine gesunde Ernährung, und es werden ihnen zusätzlich handwerkliche Grundkenntnisse in der Bäckerei, Küche und Schreinerei vermittelt. Aber auch in Peru diktiert Corona derzeit den Alltag. Peru gehört mit zu den am schlimmsten von der Coronaepidemie betroffenen Länder, und wie Roland Lauber erzählt, sind die Schulen bereits seit März letzten Jahres geschlossen. Das trifft die Kinder und Jugendlichen des Kinderheims Tablada ganz besonders. Es gäbe zwar Homeschooling, aber das sei nicht mit dem Homeschooling hierzulande zu vergleichen. „Die Hilfe beschränkt sich im Moment darauf, dass wir versuchen, die Familien wenigstens mit Lebensmitteln zu unterstützen“, erzählt Lauber. Alle hofften auf eine Lockerung, damit die Kinder und Jugendlichen wenigstens wieder stundenweise betreut werden könnten.
Brigitte Chymo, Badische Zeitung

Die Saat der fairen Preise

Die Saat der fairen Preise

Acht Eine-Welt-Engagierte besuchten ihre Handelspartner
in Peru und sahen einen Traum: Eine gerechtere Welt ist möglich

von Willi Moosmann

Das hatte niemand von uns gedacht, als unsere achtköpfige Reisegruppe aus dem südbadischen Murg zu jenen aufbrach, deren Kaffee wir in unserem Weltladen täglich anbieten: zu den Kaffeebauern im Norden Perus. Doch am Ende der Reise waren wir uns einig: Einige Cent mehr für fair gehandelte Waren bewegen mehr, als wir uns bisher vorstellen konnten.

Seit mehr als zehn Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen dem Kaffeeprojekt in Nordperu und vielen Initiativgruppen und Weltläden vor allem in Baden-Württemberg.  Der Kaffee wächst an den Hängen der Anden auf einer Höhe zwischen 600 und 1700 Metern in Mischkulturen mit Zitronen-, Orangen- und Avocadobäumen, Bananenstauden, Maniok, Zuckerrohr und Süßkartoffeln. Kaffee ist für die Kleinbauernfamilien zumeist die einzige Einnahmequelle. Seit einigen Jahren befindet sich der Weltmarktpreis für Kaffee im freien Fall und zwingt viele Familien zur Aufgabe der Kaffeekulturen und zur Abwanderung in die Städte. Der Verfall der Preise bedroht die Region.

Die 1991 gegründete Beratungsorganisation Pidecafé versucht, dies  zusammen mit dem Bauernverband Cepicafé zu verhindern. Bei Cepicafé sind derzeit 51 Genossenschaften Mitglied, in denen sich mehr als 2000 Kaffeekleinbauern und ihre Familien organisiert haben. Weitere Dorfgenossenschaften möchten sich anschließen. Pidecafé und Cepicafé beschäftigen fast ausschließlich einheimische Fachleute. Heike Teufel, Betriebswirtin aus Spaichingen, ist die Ausnahme: Als Entwicklungshelferin hilft sie bei Vermarktung und Unternehmensführung. Sie hat uns auf unserer Reise begleitet.

Die Begegnungen in den einzelnen Kooperativen waren überaus herzlich. »Es gibt keinen Reichen, der zu reich wäre, um auch von einem Armen zu lernen, und es gibt keinen Armen, der zu arm wäre, um auch dem Reichen etwas zu geben.« So beschloss der Bürgermeister in San Francisco im Distrikt Jilili seine Rede bei einem Empfang.

Wer in die Dörfer kommt, sieht die Früchte des fairen Handels für die Menschen. Langsam, aber stetig ersetzen die Familien ihre alten, rauchenden Lehmherde durch aufgemauerte Herde aus Stahlplatten mit Abzugsrohr. Jetzt müssen die Frauen viel weniger Holz sammeln. Und noch wichtiger: Die Häuser sind nicht mehr ständig voller Rauch, was viele, auch schwere Krankheiten verursacht. A propos Gesundheit: Auf dem Speisezettel der Familien steht die gesunde Ernährung ganz oben. Die meisten Dörfer haben inzwischen Gesundheitsposten, in denen lebensnotwendige Impfungen und sogar Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden – auch viele Medikamente sind vorhanden. Stolz nennt der Geschäftsführer von Cepícafé, Santiago Lopez, die nackten wirtschaftlichen Zahlen, die dies möglich machen. Wurden 1997 nur eineinhalb Container (etwa 17,5 Tonnen) Rohkaffee vermarktet, so waren es im vergangenen Jahr 45, in diesem Jahr werden es 100 sein. Der erlesene Hochlandkaffee wird nach Deutschland, Holland, England, Italien, USA und Belgien exportiert. Zwischen 50 und 60 Prozent des Kaffees wird über den Fairen Handel vertrieben. Der Rest muss zu den üblichen Weltmarktpreisen verkauft werden. Der Preisunterschied ist riesig: Für einen Sack Kaffee (rund 46 Kilogramm) erhalten die Bauern auf dem Weltmarkt 53 US-Dollar, der Mindestpreis des Fairen Handels beträgt dagegen 126 US-Dollar. Dazu kommen noch bis zu 13 Dollar Biozuschlag.

Mit vier Strategien verbessern Pidecafé und Cepicafé die Lebensbedingungen der Kaffeebauern – nachhaltig und erfolgreich: Sie steigern die Qualität des Kaffee, fördern den biologische Anbau, unterstützen Alternativen zum Kaffee-Anbau und investieren in soziale Verbesserungen.

»Der erste Grundsatz und der besondere Ehrgeiz der Beratungsorganisation«, so der Geschäftsführer von Pidecafé, Jorge Calle, »ist eine optimale Kaffeequalität. Die jungen Agrartechniker und -ingenieure, die uns in die verschiedenen Dörfer begleiteten, werden ordentlich bezahlt und sind hochmotiviert. Sie sind in der Regel – meist mit dem Motorrad – drei Wochen des Monats in den Kooperativen vor Ort und eine Woche im Büro. Qualität ist auch das »Evangelium« von Alejandro Guerrero, der uns in der Kooperative Conta die Kaffeeaufbereitungsanlage seines Musterbetriebes zeigt und durch die Pflanzschule führt. Um dem Pilzbefall vorzubeugen, hat er sein Keimbeet mit desinfiziertem Flusssand auf Stelzen gebaut. Er züchtet alte resistente Kaffeesorten und auch solche, die bis zu acht Monaten ohne Regen auskommen.

Heike Teufel zeigt uns die »Vorverschiffungsmuster«, die von Importeuren verlangt werden, bevor sie große Mengen Kaffee bestellen: 300 Gramm grüne Kaffebohnen dürfen im fairen Handel höchstens 10 bis 12 defekte Bohnen beinhalten, worauf auch das Fairhandelshaus gepa in Wuppertal größten Wert legt. Das ist die Bedingung für einen Gourmetkaffee. Für den normalen Kaffee sind bis zu 23 defekte Bohnen erlaubt.

Überzeugend ist auch das Engagement der Campesinos im Bereich des Bio-Anbaus. Bedenkt man, dass der Ertrag im konventionellen Anbau mit chemischem Dünger bei 80 Sack pro Hektar liegt, beim organisch-biologischen dagegen bei nur 30, mag die Entscheidung nicht so leicht sein. Doch Frauen drängen ihre Männer häufig zum biologischen Anbau, weil ihnen gesundheitliche Aspekte wichtig sind. Der Agraringenieur Felix Suarez Elias ist bei Pidecafé fast von Anfang an dabei: »Wir verwenden keine Chemie, benötigen dafür aber mehr Arbeitskraft. Unsere Hoffnung ist der gerechte Preis.« Die Erfahrungen bei der Kompostierung, den organisch hergestellten Flüssigdüngern und Insektiziden werden in Arbeitsgruppen der Bauernkooperativen ausgetauscht und ausgewertet. Nicht zuletzt dadurch ist Peru zum zweitgrößten Biokaffee-Exporteur der Welt aufgerückt.

Das Überangebot an Kaffee und der Preisverfall macht die Suche nach Alternativen zum Kaffeeanbau unvermeidlich. Ein erster Erfolg in Piura: 600 von Eseln herbeigeschleppte Zuckerrohre geben 1800 Liter Zuckerrohrsaft und schließlich 220 Kilogramm kristallisierten braunen Rohrzucker. Das Endprodukt geht in den Export nach Europa. Der Vorteil dieses neuen Pilotprojektes: Es bringt den Kaffeebauern das ganze Jahr hindurch ein Einkommen.

Doch Rohrzucker ist nicht die einzige Alternative zum Kaffee-Anbau: Mit Fischzucht, medizinischen Heilpflanzen, Gewürz- und Kräuterkulturen, Produktion von Marmelade und Gemüsegärten steuern die Bauern der großen Mangel- und Fehlernährung entgegen und erzielen auf den heimischen Märkten zusätzliche Erlöse. Die Präsidentin des Mütterclubs von Sicchezpampa berichtete, wie die Frauen – unterstützt von Pidecafé – an einem staatlichen Wettbewerb teilgenommen und den ersten Preis für ihr Gemüseprojekt gewannen: 600 Dollar.

Ein wichtiger  Aspekt ist die Solidaritätsarbeit. Das  Ziel von Pidecafé ist eine umweltverträgliche, sozial gerechte und wirtschaftlich tragfähige Entwicklung. Auffallend ist die starke Einbindung der Frauen, die »Hand in Hand mit den Männern« neue unkonventionelle Wege mittragen oder selbst – wie in Yamango – den Anstoß zur Gründung der Kooperative geben. Immer mehr stellen auch Kommunen Agraringenieure ein und fordern den »runden Tisch«, um der Landflucht entgegenzuwirken. Gemeinsam mit Pidecafé fördern sie soziale Projekte wie Gesundheitsstationen oder Bibliotheken. »Die  Menschen in der Kaffeeanbauzone fühlen sich endlich ernst genommen«, konstatiert ein Mitarbeiter von Cepícafé.

Viele Menschen, die in Deutschland fair gehandelte Produkte kaufen, wollen etwas Gutes tun. Was gerechte Preise wirklich bewirken, konnten wir im andinen Bergland im Norden von Peru auf Schritt und Tritt erfahren: Junge Menschen schöpfen wieder Hoffnung. Sie erleben, dass es sich lohnt zu lernen und zu arbeiten. Fairer Handel schafft Visionen und spendet Energie für politisches Engagement, wirtschaftliche Kreativität und Experimentiergeist. Das ist weit mehr, als wir erwarten konnten.

Warum ins Weltlädeli?

Warum ins Weltlädeli?

Nuestros productos tienen alma y corazón – Unsere Produkte haben Herz und Seele

Fair gehandelte Produkte gibt es auch im Supermarkt. Das ist gut, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Doch warum sollte man dann ins Weltlädeli gehen? Weil Weltläden im Allgemeinen nicht nur fair gehandelte Produkte verkaufen wollen, sondern eine Vision von einer gerechteren Welt haben.

(vgl : Gründe für den Weltladen )

Fair gehandelte Produkte gibt es mittlerweile in über 40.000 Supermärkten, Discountern und Bioläden. Diese breite Verfügbarkeit hat stark dazu beigetragen, die Umsätze des Fairen Handels in den letzten Jahren auf über 1,85 Mrd. Euro pro Jahr in Deutschland ansteigen zu lassen. Das ist gut für die Produzent*innen, die umso mehr vom Fairen Handel profitieren.

Aber gleichzeitig sind die großen Lebensmittelkonzerne mit ihrer Marktmacht für einen Teil der Probleme verantwortlich, die der Faire Handel zu beheben versucht. Diese Marktmacht nutzen sie, um ihren Lieferanten die Preise zu diktieren – das trifft Milchbäuer*innen in Deutschland oder den Bananenproduzent*innen in Ecuador gleichermaßen. Die Folgen sind bekannt: Wachsen oder Weichen. Immer mehr Betriebe müssen aufgeben, weil sie nicht kostendeckend wirtschaften können. Diese Unternehmenspolitik ist einer der Hauptgründe dafür, weswegen der Faire Handel überhaupt vonnöten ist.

Deswegen braucht es ein anderes Denken und andere Strukturen. Genau dafür steht der Faire Handel der Weltläden. Denn der Absatz fair gehandelter Produkte im Supermarkt sorgt zwar für Verbesserungen für die Produzent*innen, weil sie so mehr Produkte zu fairen Bedingungen absetzen können. Aber der Kauf fair gehandelter Produkte im Supermarkt festigt auch die konventionellen Strukturen.

Weltläden hingegen setzen sich für ein anderes Miteinander der Akteure entlang der Lieferkette ein – wobei der Mensch im Mittelpunkt steht, und nicht der Profit. Mit ihrem Warenangebot, ihrer Bildungsarbeit und den politischen Kampagnen zielen Weltläden auf einen gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Darüber hinaus machen Weltläden auf Missstände im globalen Handel aufmerksam.

Nicht zuletzt bieten Weltläden auch Verbraucher*innen klare Vorteile im Vergleich zum Einkauf im Supermarkt. Als Fachgeschäfte des Fairen Handels führen Weltläden das breiteste Sortiment fair gehandelter Produkte. Ob aromatische Kaffees, feine Schokoladen, schicke Taschen, modische Textilien – Weltläden bieten für jeden Geschmack etwas. Dabei müssen Verbraucher/innen nicht nach Zeichen und Siegeln suchen, denn im Weltladen sind alle Produkte aus Fairem Handel. Und bei Fragen stehen die Mitarbeiter*innen mit fachkundiger Beratung zur Verfügung.

Nuestros productos tienen alma y corazón – Unsere Produkte haben Herz und Seele

BZ-INTERVIEW mit Manfred Trenkle und Frank Geiger vom Weltlädeli in Murg über die Motivation für ihr Engagement

BZ-INTERVIEW mit Manfred Trenkle und Frank Geiger vom Weltlädeli in Murg über die Motivation für ihr Engagement

35 Jahre lang gibt es das Weltlädeli in Murg schon. Im vergangenen Juli übernahmen Manfred Trenkle und Frank Geiger die Führung von Willi Moosmann, der von Anfang an das Lädeli führte. Was die beiden motiviert, sich für den Fairen Handel einzusetzen, wollte Annemarie Rösch, BZ-Redakteurin / Stellvertretende Redaktionsleiterin Bad Säckingen von ihnen wissen.

Manfred Trenkle (links) und Frank Geiger vor dem Weltlädeli in Murg Foto: Annemarie Rösch

BZ: Herr Geiger, Herr Trenkle, was hat Sie dazu gebracht, so viel Zeit in das Weltlädeli zu stecken, das ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern geführt wird?

Trenkle: Viele Produzenten in Südamerika, Asien oder Afrika bekommen im normalen Handel so wenig Geld für ihre Waren, dass sie davon nicht leben können. Schon in den 1970er Jahren während meines Studiums der Theologie in Freiburg bin ich mit diesem Thema in Berührung gekommen. Ein Jahr lang verbrachte ich in Spanien direkt nach der Franko-Diktatur. In der damaligen Aufbruchstimmung haben sich viele der Studenten mit diesem Thema beschäftigt. Ich will mit meinem Konsum nicht die Ungerechtigkeit verstärken, sondern dazu beitragen, dass sich die Lage der Produzenten verbessert.

Geiger: Viele unserer Mitstreiter hatten Kontakte etwa nach Lateinamerika. Bei mir ist das nicht der Fall. Während meines Wirtschafts- und Politikstudiums habe ich mich mit Verbraucherbildung beschäftigt. Mir ist damals klar geworden, dass unser Handeln hier direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen in vielen ärmeren Ländern hat. Bis heute ist es mir ein wichtiges Anliegen, dass die Lebens- und Produktionsbedingungen menschenwürdig sind. Die Produzenten müssen von ihrer Arbeit leben können.

BZ: Viele Menschen hierzulande spenden ja auch für Länder, in denen viele in Armut leben. Wie sehen Sie das?

Geiger: Das Ziel muss sein, dass die Menschen in diesen Ländern nicht von unseren Almosen leben müssen, sondern die Erzeuger einen eigenen und direkten Zugang zum Welthandel haben und faire Preise bezahlt bekommen.

Solche Initiativen wie die Weltläden ermöglichen dies, während der konventionelle Welthandel über die Produzenten hinweggeht. Durch den Fairen Handel wird Armut nachhaltig bekämpft. Diese Armut und Ungerechtigkeit sind vielfach Ursache für Fanatismus und Terror. Könnten die Menschen von ihrer Arbeit vor Ort leben, hätten viele eine Perspektive und die Migration nach Europa würde abnehmen. 

BZ: Wie oft arbeiten sie im Weltlädeli?

Trenkle: Eigentlich sind wir jeden Tag mit dem Weltlädeli in irgendeiner Weise beschäftigt, wie viele unserer Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Auch sie arbeiten wie wir rein ehrenamtlich. (Lacht) Nur die Putzfrau und das Steuerbüro bezahlen wir. Wir müssen Waren neu bestellen, verfolgen, wo die Pakete sind, die Kontobewegungen überprüfen. Zusätzlich zu den Öffnungszeiten arbeitet die Ladenorganisation jeden Mittwoch und Freitag, manchmal zehn Stunden.

BZ: Erwirtschaftet der Laden Gewinne?

Geiger: Ja, natürlich. Was wir erwirtschaften, reinvestieren wie in der Regel in das Geschäft. Wenn wir einen Überschuss haben, geht das Geld in die direkte Projektförderung oder wird bei Oikocredit angelegt. Diese Genossenschaft gewährt Produzenten in Asien, Afrika oder Lateinamerika Mikrokredite, etwa wenn sie eine neue Produktionsanlage benötigen. […] Im Moment erschwert aber Corona und die Baustelle vor der Tür unser Geschäft. Wir sind froh, wenn wir mit einer Null herauskommen.

BZ: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Trenkle: Wir haben sehr viele direkte Kontakte auch zu den Produzenten. Etliche von ihnen haben uns hier schon besucht. Sie informieren unsere Mitarbeiter und Kunden über ihre Projekte. Oft sehen wir, dass sich dank des Fairen Handels die Lebenslage der Menschen verbessert. Gerade die Frauen, die oft die Hauptarbeit leisten, profitieren davon.

BZ: Wie hat sich das Bewusstsein für einen faireren Handel seit dem Beginn Ihrer Arbeit Handel entwickelt?

Trenkle: Die Weltläden haben eine wichtige Rolle gespielt, um das Bewusstsein für einen fairen Handel zu schärfen. Inzwischen gibt es ja schon bei Edeka fair gehandelte Produkte wie Kaffee.  Man kann also sagen, der faire Handel hat sich etabliert. Doch es gibt noch viel Luft nach oben.

Geiger: Auch die „Fridays for Future“-Bewegung leistet einen wichtigen Beitrag. Erst ging es uns um fair, dann um biologisch erzeugte Produkte. Durch „Fridays for Future“ steigt das Bewusstsein, dass klimaverträglich produziert werden muss. Beide sprechen von der Einen Welt.

  • Weltläden In Deutschland gibt es mehr als 800 Weltläden. Bis 450 sind im Weltladen-Dachverband organisiert. Das Weltlädeli in Murg gehört dazu. Seit 2013 ist das Lädeli im Besitz eines  Zertifikats der World Fair Trade Organization (Welt-Fair-Handelsorganisation, WFTO). Mitglieder sind Produzenten-Kooperativen, Exportgesellschaften, Importeure oder Einzelhändler aus mehr als 70 Ländern. Ziel ist, die Lage der Benachteiligten zu verbessern.   
  • Frank Geiger (50)  stammt aus Zell im Wiesental und lebt in Murg-Oberhof. Er  ist Lehrer an der Realschule in Tiengen. In Freiburg hat er Geographie, Physik, Politik und Wirtschaft studiert.
  • Manfred Trenkle (66) kommt aus Eckartsbrunn im Hegau und wohnt in Obersäckingen. Der katholische Theologe war Lehrer an der Rudolf-Eberle-Schule in Bad Säckingen.