Murgtalstraße 2a, 79730 Murg | +49 7763 1515 | murg@weltlaedeli.de

Unsere Öffnungzeiten

 

Mo + Di 15–18 Uhr
Do + Fr 9–13 Uhr  &  15–18 Uhr
Mi + Sa 9–13 Uhr

 

BZ-INTERVIEW mit Manfred Trenkle und Frank Geiger vom Weltlädeli in Murg über die Motivation für ihr Engagement

BZ-INTERVIEW mit Manfred Trenkle und Frank Geiger vom Weltlädeli in Murg über die Motivation für ihr Engagement

35 Jahre lang gibt es das Weltlädeli in Murg schon. Im vergangenen Juli übernahmen Manfred Trenkle und Frank Geiger die Führung von Willi Moosmann, der von Anfang an das Lädeli führte. Was die beiden motiviert, sich für den Fairen Handel einzusetzen, wollte Annemarie Rösch, BZ-Redakteurin / Stellvertretende Redaktionsleiterin Bad Säckingen von ihnen wissen.

Manfred Trenkle (links) und Frank Geiger vor dem Weltlädeli in Murg Foto: Annemarie Rösch

BZ: Herr Geiger, Herr Trenkle, was hat Sie dazu gebracht, so viel Zeit in das Weltlädeli zu stecken, das ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern geführt wird?

Trenkle: Viele Produzenten in Südamerika, Asien oder Afrika bekommen im normalen Handel so wenig Geld für ihre Waren, dass sie davon nicht leben können. Schon in den 1970er Jahren während meines Studiums der Theologie in Freiburg bin ich mit diesem Thema in Berührung gekommen. Ein Jahr lang verbrachte ich in Spanien direkt nach der Franko-Diktatur. In der damaligen Aufbruchstimmung haben sich viele der Studenten mit diesem Thema beschäftigt. Ich will mit meinem Konsum nicht die Ungerechtigkeit verstärken, sondern dazu beitragen, dass sich die Lage der Produzenten verbessert.

Geiger: Viele unserer Mitstreiter hatten Kontakte etwa nach Lateinamerika. Bei mir ist das nicht der Fall. Während meines Wirtschafts- und Politikstudiums habe ich mich mit Verbraucherbildung beschäftigt. Mir ist damals klar geworden, dass unser Handeln hier direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen in vielen ärmeren Ländern hat. Bis heute ist es mir ein wichtiges Anliegen, dass die Lebens- und Produktionsbedingungen menschenwürdig sind. Die Produzenten müssen von ihrer Arbeit leben können.

BZ: Viele Menschen hierzulande spenden ja auch für Länder, in denen viele in Armut leben. Wie sehen Sie das?

Geiger: Das Ziel muss sein, dass die Menschen in diesen Ländern nicht von unseren Almosen leben müssen, sondern die Erzeuger einen eigenen und direkten Zugang zum Welthandel haben und faire Preise bezahlt bekommen.

Solche Initiativen wie die Weltläden ermöglichen dies, während der konventionelle Welthandel über die Produzenten hinweggeht. Durch den Fairen Handel wird Armut nachhaltig bekämpft. Diese Armut und Ungerechtigkeit sind vielfach Ursache für Fanatismus und Terror. Könnten die Menschen von ihrer Arbeit vor Ort leben, hätten viele eine Perspektive und die Migration nach Europa würde abnehmen. 

BZ: Wie oft arbeiten sie im Weltlädeli?

Trenkle: Eigentlich sind wir jeden Tag mit dem Weltlädeli in irgendeiner Weise beschäftigt, wie viele unserer Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Auch sie arbeiten wie wir rein ehrenamtlich. (Lacht) Nur die Putzfrau und das Steuerbüro bezahlen wir. Wir müssen Waren neu bestellen, verfolgen, wo die Pakete sind, die Kontobewegungen überprüfen. Zusätzlich zu den Öffnungszeiten arbeitet die Ladenorganisation jeden Mittwoch und Freitag, manchmal zehn Stunden.

BZ: Erwirtschaftet der Laden Gewinne?

Geiger: Ja, natürlich. Was wir erwirtschaften, reinvestieren wie in der Regel in das Geschäft. Wenn wir einen Überschuss haben, geht das Geld in die direkte Projektförderung oder wird bei Oikocredit angelegt. Diese Genossenschaft gewährt Produzenten in Asien, Afrika oder Lateinamerika Mikrokredite, etwa wenn sie eine neue Produktionsanlage benötigen. […] Im Moment erschwert aber Corona und die Baustelle vor der Tür unser Geschäft. Wir sind froh, wenn wir mit einer Null herauskommen.

BZ: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Trenkle: Wir haben sehr viele direkte Kontakte auch zu den Produzenten. Etliche von ihnen haben uns hier schon besucht. Sie informieren unsere Mitarbeiter und Kunden über ihre Projekte. Oft sehen wir, dass sich dank des Fairen Handels die Lebenslage der Menschen verbessert. Gerade die Frauen, die oft die Hauptarbeit leisten, profitieren davon.

BZ: Wie hat sich das Bewusstsein für einen faireren Handel seit dem Beginn Ihrer Arbeit Handel entwickelt?

Trenkle: Die Weltläden haben eine wichtige Rolle gespielt, um das Bewusstsein für einen fairen Handel zu schärfen. Inzwischen gibt es ja schon bei Edeka fair gehandelte Produkte wie Kaffee.  Man kann also sagen, der faire Handel hat sich etabliert. Doch es gibt noch viel Luft nach oben.

Geiger: Auch die „Fridays for Future“-Bewegung leistet einen wichtigen Beitrag. Erst ging es uns um fair, dann um biologisch erzeugte Produkte. Durch „Fridays for Future“ steigt das Bewusstsein, dass klimaverträglich produziert werden muss. Beide sprechen von der Einen Welt.

  • Weltläden In Deutschland gibt es mehr als 800 Weltläden. Bis 450 sind im Weltladen-Dachverband organisiert. Das Weltlädeli in Murg gehört dazu. Seit 2013 ist das Lädeli im Besitz eines  Zertifikats der World Fair Trade Organization (Welt-Fair-Handelsorganisation, WFTO). Mitglieder sind Produzenten-Kooperativen, Exportgesellschaften, Importeure oder Einzelhändler aus mehr als 70 Ländern. Ziel ist, die Lage der Benachteiligten zu verbessern.   
  • Frank Geiger (50)  stammt aus Zell im Wiesental und lebt in Murg-Oberhof. Er  ist Lehrer an der Realschule in Tiengen. In Freiburg hat er Geographie, Physik, Politik und Wirtschaft studiert.
  • Manfred Trenkle (66) kommt aus Eckartsbrunn im Hegau und wohnt in Obersäckingen. Der katholische Theologe war Lehrer an der Rudolf-Eberle-Schule in Bad Säckingen.

Rückblick Faire Woche 2020:           „Fair statt mehr“

Rückblick Faire Woche 2020: „Fair statt mehr“

Rückblick Faire Woche 2020: „Fair statt mehr“ Es ist nicht irgendeine Schokolade, die Willi Moosmann der Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter an diesem Tag mitgebracht hat. Es ist die letzte Tafel der 50-Jahre-Fairer-Handel-Edition, die er ihr vor dem Weltlädeli in Murg überreicht.

Das Treffen im September 2020 mit dem Team vom Weltlädeli ist spontan zustande gekommen, aus Anlass der fairen Woche, die zeitgleich zur Nachhaltigkeitsinitiative des Deutschen Bundestags stattfindet.

Willi Moosmann, der seine Ämter an Frank Geiger und Manfred Trenkle übergeben hat, berichtet im Gespräch über 50 Jahre fairen Handel, 35 Jahre Verein und 34 Jahre Weltlädeli.

Spontanes Treffen zur Fairen Woche vor dem Murger „Weltlädeli“: Georg Kirschbaum, Rita Schwarzelühr-Sutter, Herbert Steinmeier, Willi Moosmann, Frank Geiger und Manfred Trenkle. | Foto: Büro RSS / Thomas Wurster

Fairer Wettbewerb sowie Produzenten- und Konsumentenwohl sind die zentralen Themen der Diskussion. Ebenfalls wird die Forderung über die Einführung des Lieferkettengesetzes deutlich. Die qualifizierte Dokumentation von Lieferketten ist  notwendig, wenn man Produktionsbedingungen und Wettbewerb weltweit zugunsten von Menschen und Umwelt an europäischen Werten messen will. Das Lieferkettengesetz ist eine Chance, die Globalisierung fairer als bisher zu gestalten.

Willi wurde auf der Homepage der Parlamentarischen Staatssekretärin besonders erwähnt. „Einer, der schon immer mehr Wir und eine bessere Welt wollte, ist Willi Moosmann. Der langjährige Welt-Akteur steht sinnbildlich für eine faire Welt.“ Soisses!

Die nächste Faire Woche findet vom 10. bis 24. September 2021 statt

in vino veritas

in vino veritas

Genießen Sie hervorragende Bio-Weine von der Südhalbkugel aus traditionellen und renommierten Weinanbaugebieten. Lassen Sie sich von den charakteristischen Aromen verführen – vielleicht ist ja auch Ihr neuer Lieblingswein dabei?

Unsere Bio-Weine von der Südhalbkugel, aus traditionellen und renommierten Weinanbaugebieten, beziehen wir über die GEPA-The Fair Trade Company, dem wichtigsten Handelspartner für das Weltlädeli. Ergänzt wird das Sortiment durch Weine von El Puente, einem etablierten Fair-Trade-Unternehmen, das Lebensmittel und Handwerksprodukte aus Afrika, Asien und Lateinamerika importiert und vertreibt.

Die Winzer in Südafrika, Chile und Argentinien arbeiten in kleinen und mittleren Winzerkooperativen. Das ist in diesen Regionen eher die Ausnahme, da überwiegend große Firmen den Markt dominieren. Von ihren Genossenschaften erhalten die Weinbauern regelmäßig Abschlagszahlungen, so dass sie das ganze Jahr über ein gleichmäßiges Einkommen verfügen. Die GEPA und El Puente unterstützen die Partner auch bei der Bio-Umstellung mit der doppelten Fairtrade-Prämie. Die Kooperativen haben viel Erfahrung mit Wein. Die besonderen Böden und das günstige Klima in den Regionen führen dazu, dass Weine mit höchsten Qualitätsansprüchen hergestellt werden. Durch den Fairen Handel erfahren die Kooperativen-Mitglieder soziale und kulturelle Förderung.

www.gepa.de

www.elpuente.de 

Aktion #fairwertsteuer wirkt

Aktion #fairwertsteuer wirkt

Für das Weltlädeli war es sofort klar, sich an der Aktion #fairwertsteuer des Weltladen-Dachverbands zu beteiligen. Dabei wurde die seit dem 1. Juli 2020 reduzierte Mehrwertsteuer nicht an die Kund*innen weitergegeben, sondern an einen Fonds zur Unterstützung von Handelspartnern, die ganz besonders von der Krise betroffen sind.

Die Corona-Pandemie hat die ganze Welt erfasst, die Produzent*innen in Afrika, Asien und Lateinamerika sind jedoch besonders stark betroffen. Für sie gibt es in der Regel keine Rettungsschirme oder staatlichen Zuschüsse. Umso mehr sah es das Weltladenteam als selbstverständlich an, sich in dieser Situation solidarisch mit ihren Fair-Handelspartnern zu zeigen. Im zweiten Halbjahr 2020 konnte das Weltlädeli so einen Betrag von 1217,- € an den Unterstützungsfond überweisen. „Unsere Kund*innen tragen diese Solidaritätsaktion gerne mit und unterstützen mit ihrem Einkauf im Weltlädeli die Produzent*innen im globalen Süden jetzt erst recht“, fasst Claudia Caputo, Mitarbeiterin im Weltlädeli, die Stimmung unter der Kundschaft zusammen und führte weiter aus: „Gute Produkte zu einem fairen Preis kaufen. – So einfach geht gelebte Solidarität. Wir freuen uns über jeden neuen Kunden im Laden.“

Martin Lang, Fair-Handels-Berater beim Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg, DEAB, beschreibt die Situation: „Werkstätten sind geschlossen, Ware kann nicht ausgeliefert werden und Ausgangssperren verhindern, dass Mitarbeitende zur Arbeit fahren. Vor allem kleinere Organisationen stehen vor dem Ruin. Einige haben Produktionsmittel verkauft, um die notleidende Belegschaft mit Lebensmitteln unterstützen zu können. Viele Lager sind leer und die Organisationen haben keine Mittel zur Beschaffung von Rohwaren, um die Produktion wieder aufnehmen zu können.“ Bei umfassenden Lockdowns wie in Indien wurde der internationale und landesweite Verkehr eingestellt und eine weitreichende Ausgangssperre verhängt. Dies führte zu gekappten Lieferketten, heimische und globale Absatzmärkte sind teilweise zusammengebrochen.

Produzentenorganisationen unterstützen ihre Mitglieder auf vielfältige Weise. In Kenia konnten notleidende  Arbeiter und Arbeiterinnen über den firmeneigenen Sozialfonds kurzfristig unterstützt werden. Es wurden Lebensmittel und Gas zum Kochen gekauft, Mieten und Überbrückungsgelder gezahlt, Kleinvieh und sogar eine Kuh zur Selbstversorgung angeschafft. Bestückt wird der Sozialfonds u.a. durch die Fair-Trade-Prämie, die essenzieller Teil der Preisgestaltung im Fairen Handel ist.

Auch die Fairhandels-Importeure, Lieferanten der 900 Weltläden in Deutschland haben ihre Produzenten mit erheblicher finanzieller Nothilfe, der Aufrechterhaltung der Bestellungen und Vorauszahlungen unterstützt, obwohl nicht abzusehen war, ob die Weltläden die Waren unter den Bedingungen das Lockdowns in Deutschland verkaufen können.

Mit der Aktion #fairwertsteuer verstärkten Weltläden und Kunden ihre internationale Solidarität. Bis zum Ende Dezember 2020 konnten bundesweit 206.000,- € in den Unterstützungsfonds einbezahlt werden.

Auch das Murger Blumenfachgeschäft Immergrün beteiligte sich an der Aktion und konnte ebenfalls einen stattlichen Betrag an die Aktion überweisen.  

Der Faire Handel sichert die Existenz tausender Menschen im globalen Süden. Sie leben und arbeiten unter ungleich schwierigeren wirtschaftlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen. Deshalb ist es gerade jetzt wichtig, dass die Verbundenheit zwischen Produzent*innen und Konsument*innen weiter gestärkt wird.

Pakilia

Pakilia

Pakilia stammt aus der Aztekensprache Nahuatl und bedeutet Freude geben„.

Pakilia bietet nach Fair Trade Prinzipien hergestellten hochwertigen Schmuck aus Sterlingsilber und ist seit 2015 im Lieferantenkatalog des Weltladen Dachverbandes. Jedes Schmuckstück ist einzigartig, da die edlen Produkte in liebevoller Handarbeit in Taxco, Mexiko, gefertigt werden. Durch direkten Kontakt zu den mexikanischen Kunsthandwerkerfamilien und den Verzicht auf Zwischenhändler, können Material- und Verarbeitungsqualität direkt kontrolliert und Kundenwünsche in besonderem Maße berücksichtigt werden.

Pakilia begleitet die Silberkünstler und ihre Familien auf ihrem individuellen Weg zu mehr wirtschaftlicher Sicherheit und Unabhängigkeit.

Getragen wird Pakilia vom gemeinnützigen Verein“ pakilia wirkt! e. V.“.

Ziel des Vereins ist die Förderung von Entwicklungszusammenarbeit, Kunst & Kultur, Gleichberechtigung und Naturschutz mit Fokus auf Mexiko. Die Arbeit beinhaltet die Förderung und Professionalisierung von Silberschmiede-Familienbetrieben und die Erhaltung der traditionellen Handwerkskunst. Investiert wird in die Weiterbildung von Frauen und in die Entwicklung von Zukunftsperspektiven für Kinder, sowie Soforthilfen für Menschen in akuten Notlagen und langfristige, nachhaltige Unterstützung nach Naturkatastrophen.

Luz Amalia, Silberschmiedin in Mexiko, wünscht sich nichts sehnlicher, als weiterhin Aufträge zu bekommen und mit der Arbeit fortzufahren, um diese Zeit irgendwie zu überstehen. „Wenn Du gerade in Erwägung ziehst einen pakilia Silberschatz zu kaufen, zum Beispiel als Geschenk für einen Liebsten oder auch für Dich selbst, dann ist jetzt die richtige Zeit dafür!“ Sie sagt „gracias de corazón“ für die Unterstützung.