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BZ-INTERVIEW mit Manfred Trenkle und Frank Geiger vom Weltlädeli in Murg über die Motivation für ihr Engagement

von | 4. Feb 2021 | Verein

35 Jahre lang gibt es das Weltlädeli in Murg schon. Im vergangenen Juli übernahmen Manfred Trenkle und Frank Geiger die Führung von Willi Moosmann, der von Anfang an das Lädeli führte. Was die beiden motiviert, sich für den Fairen Handel einzusetzen, wollte Annemarie Rösch, BZ-Redakteurin / Stellvertretende Redaktionsleiterin Bad Säckingen von ihnen wissen.

Manfred Trenkle (links) und Frank Geiger vor dem Weltlädeli in Murg Foto: Annemarie Rösch

BZ: Herr Geiger, Herr Trenkle, was hat Sie dazu gebracht, so viel Zeit in das Weltlädeli zu stecken, das ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern geführt wird?

Trenkle: Viele Produzenten in Südamerika, Asien oder Afrika bekommen im normalen Handel so wenig Geld für ihre Waren, dass sie davon nicht leben können. Schon in den 1970er Jahren während meines Studiums der Theologie in Freiburg bin ich mit diesem Thema in Berührung gekommen. Ein Jahr lang verbrachte ich in Spanien direkt nach der Franko-Diktatur. In der damaligen Aufbruchstimmung haben sich viele der Studenten mit diesem Thema beschäftigt. Ich will mit meinem Konsum nicht die Ungerechtigkeit verstärken, sondern dazu beitragen, dass sich die Lage der Produzenten verbessert.

Geiger: Viele unserer Mitstreiter hatten Kontakte etwa nach Lateinamerika. Bei mir ist das nicht der Fall. Während meines Wirtschafts- und Politikstudiums habe ich mich mit Verbraucherbildung beschäftigt. Mir ist damals klar geworden, dass unser Handeln hier direkte Auswirkungen auf das Leben der Menschen in vielen ärmeren Ländern hat. Bis heute ist es mir ein wichtiges Anliegen, dass die Lebens- und Produktionsbedingungen menschenwürdig sind. Die Produzenten müssen von ihrer Arbeit leben können.

BZ: Viele Menschen hierzulande spenden ja auch für Länder, in denen viele in Armut leben. Wie sehen Sie das?

Geiger: Das Ziel muss sein, dass die Menschen in diesen Ländern nicht von unseren Almosen leben müssen, sondern die Erzeuger einen eigenen und direkten Zugang zum Welthandel haben und faire Preise bezahlt bekommen.

Solche Initiativen wie die Weltläden ermöglichen dies, während der konventionelle Welthandel über die Produzenten hinweggeht. Durch den Fairen Handel wird Armut nachhaltig bekämpft. Diese Armut und Ungerechtigkeit sind vielfach Ursache für Fanatismus und Terror. Könnten die Menschen von ihrer Arbeit vor Ort leben, hätten viele eine Perspektive und die Migration nach Europa würde abnehmen. 

BZ: Wie oft arbeiten sie im Weltlädeli?

Trenkle: Eigentlich sind wir jeden Tag mit dem Weltlädeli in irgendeiner Weise beschäftigt, wie viele unserer Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Auch sie arbeiten wie wir rein ehrenamtlich. (Lacht) Nur die Putzfrau und das Steuerbüro bezahlen wir. Wir müssen Waren neu bestellen, verfolgen, wo die Pakete sind, die Kontobewegungen überprüfen. Zusätzlich zu den Öffnungszeiten arbeitet die Ladenorganisation jeden Mittwoch und Freitag, manchmal zehn Stunden.

BZ: Erwirtschaftet der Laden Gewinne?

Geiger: Ja, natürlich. Was wir erwirtschaften, reinvestieren wie in der Regel in das Geschäft. Wenn wir einen Überschuss haben, geht das Geld in die direkte Projektförderung oder wird bei Oikocredit angelegt. Diese Genossenschaft gewährt Produzenten in Asien, Afrika oder Lateinamerika Mikrokredite, etwa wenn sie eine neue Produktionsanlage benötigen. […] Im Moment erschwert aber Corona und die Baustelle vor der Tür unser Geschäft. Wir sind froh, wenn wir mit einer Null herauskommen.

BZ: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Trenkle: Wir haben sehr viele direkte Kontakte auch zu den Produzenten. Etliche von ihnen haben uns hier schon besucht. Sie informieren unsere Mitarbeiter und Kunden über ihre Projekte. Oft sehen wir, dass sich dank des Fairen Handels die Lebenslage der Menschen verbessert. Gerade die Frauen, die oft die Hauptarbeit leisten, profitieren davon.

BZ: Wie hat sich das Bewusstsein für einen faireren Handel seit dem Beginn Ihrer Arbeit Handel entwickelt?

Trenkle: Die Weltläden haben eine wichtige Rolle gespielt, um das Bewusstsein für einen fairen Handel zu schärfen. Inzwischen gibt es ja schon bei Edeka fair gehandelte Produkte wie Kaffee.  Man kann also sagen, der faire Handel hat sich etabliert. Doch es gibt noch viel Luft nach oben.

Geiger: Auch die „Fridays for Future“-Bewegung leistet einen wichtigen Beitrag. Erst ging es uns um fair, dann um biologisch erzeugte Produkte. Durch „Fridays for Future“ steigt das Bewusstsein, dass klimaverträglich produziert werden muss. Beide sprechen von der Einen Welt.

  • Weltläden In Deutschland gibt es mehr als 800 Weltläden. Bis 450 sind im Weltladen-Dachverband organisiert. Das Weltlädeli in Murg gehört dazu. Seit 2013 ist das Lädeli im Besitz eines  Zertifikats der World Fair Trade Organization (Welt-Fair-Handelsorganisation, WFTO). Mitglieder sind Produzenten-Kooperativen, Exportgesellschaften, Importeure oder Einzelhändler aus mehr als 70 Ländern. Ziel ist, die Lage der Benachteiligten zu verbessern.   
  • Frank Geiger (50)  stammt aus Zell im Wiesental und lebt in Murg-Oberhof. Er  ist Lehrer an der Realschule in Tiengen. In Freiburg hat er Geographie, Physik, Politik und Wirtschaft studiert.
  • Manfred Trenkle (66) kommt aus Eckartsbrunn im Hegau und wohnt in Obersäckingen. Der katholische Theologe war Lehrer an der Rudolf-Eberle-Schule in Bad Säckingen.